Gegenwind

Wie oft weht uns doch im Leben ein rauer Wind entgegen! Sind wir dann frustiert, verärgert, enttäuscht, verbittert, dass die äusseren Umstände gegen uns sind? Oder nehmen wir sie mit Gleichmut an und ertragen sie? Gelingt es uns vielleicht sogar, in ihnen eine Chance zu erkennen und sie zu nutzen?

Immer wieder vergessen wir, dass wir keine Macht über das Schicksal besitzen. Wir können zwar vorausdenken und planen, uns bemühen und in Weisheit handeln – dennoch haben wir keine Garantie, dass alles so läuft, wie wir es gerne hätten. Und wir vergessen ebenfalls, dass es auf unserem Lebensweg um mehr geht, als um das, was ich (mein Ego) will. Es geht um unsere innere Entwicklung, darum, dass wir lernen – und wie könnten wir das, wenn sich immer alles nach unseren Wünschen gestaltete und wir nie in herausfordernde Situationen gerieten? Wir lernen nicht, indem wir tun, was wir schon beherrschen, sondern nur indem wir uns mit dem beschäftigen, was wir noch nicht können.

Deshalb ist es sinnlos, uns gegen den Wind zu stellen, uns gegen unser Schicksal zu wehren. Wir können dem nicht entfliehen, was für uns als „Lebenslektion“ vorgesehen ist, wir können es höchstens hinauszögern. Aber wer weiss, ob der künftige Sturm dann nicht noch herausfordernder ist als der momentane Gegenwind?

Halten wir es lieber mit einer Weisheit Aristoteles:

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

Sehen wir jede schwierige Situation als eine Chance zu lernen, als eine konkrete Möglichkeit, unser Leben in eine andere Richtung zu lenken. Ich bin davon überzeugt, dass wir das Recht haben, in diesem Leben glücklich zu sein. Ich bin aber auch zutiefst davon überzeugt, dass wir anhaltendes Glück nicht finden, solange wir uns nicht unserem eigenen Lebensweg ergeben, ihn in Gleichmut annehmen, egal wohin er uns führt. Folgen wir ihm hingegen und betrachten ihn nicht länger als unangenehm, unerwünscht, unglücklichmachend, so werden wir darin unsere Lebensfreude und unsere Erfüllung finden – unsere innere Zufriedenheit.

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Wenn du wachsam bist…

… ist das Leben ein spannendes Abenteuer. Ständig begegnen dir Menschen, die dir etwas zu sagen haben, selbst wenn sie nicht mit dir sprechen. Laufend erlebst du Ereignisse, die voller Bedeutung für dich sind, sobald du hinter ihre Äusserlichkeit schaust. Immer zieht sich ein roter Faden durch dein Leben und wenn du ihm aufmerksam folgst, entdeckst du jeden Tag in den Herausforderungen die Chance, innerlich zu wachsen, in den glücklichen Augenblicken die Geschenke der Gnade, in den Momenten tiefster Traurigkeit das Tor zu dir selbst und in unerträglichem Schmerz eine tröstende, helfende Hand, bereit dir alle Last abzunehmen.

Wenn du wachsam bist, macht alles Sinn. Nichts ist Zufall, was dir widerfährt, nicht die Ereignisse, die du als angenehm empfindest, noch die, welche dir Kummer machen. Das Leben verschwendet keine Zeit und verpasst keine Gelegenheit dir etwas beizubringen, dir die Richtung zu weisen, dich auf den Weg zurückzuführen, wenn du dich verirrt hast. Solange du glücklich bist, tief innen zufrieden, brauchst du an deinem eingeschlagenen Weg nichts zu ändern. Aber wenn du leidest, ist es das untrügliche Zeichen, dass du in deinem Leben etwas ändern musst – und sei es nur die innere Einstellung dem Schmerz gegenüber, indem du lernst, dass alle Gegensätze nur Illusion sind: Kälte und Hitze, Hunger und Sättigung, Krankheit und Gesundheit, Armut und Reichtum, Freud und Leid, alle sind sie nur Ausdruck des Einen, und es gibt keinen Grund, das eine zu mögen und das andere zu hassen.

Wenn du wachsam bist, erkennst du in allem Symbole und Zeichen. Du nimmst sie wahr und bemühst dich, sie zu deuten und zu verstehen; selten gelingt es dir sofort, manchmal erst nach Jahren, oft gar nicht. Aber du weisst auch, dass selbst Deuten und Verstehen nicht wichtig sind, wenn du darauf vertraust, dass das Göttliche dich führt und lenkt und in jedem Augenblick deines Lebens für dich sorgt.

Wenn du wachsam bist, siehst du dieses dein Leben als eine Etappe auf einer unendlich langen Wanderung; was bereits hinter dir liegt, hast du vergessen, was dir noch bevorsteht, kennst du nicht. Von den Hindernissen, die du auf deinem Weg findest, weisst du nie, ob sie deinen Mut und deine Kraft fördern wollen, indem du sie überwindest, oder ob sie dich zur Umkehr ermahnen. Und wenn du eine prachtvoll bunte, duftende Blumenwiese erreichst, bist du nicht sicher, ob sie dich zum Pflücken einlädt oder deine Enthaltsamkeit gegenüber der Versuchung prüfen will. Aber du weisst, dass – wie immer du auch entscheidest – weder das eine falsch noch das andere richtig ist. Du vertraust darauf, dass alles stets zu deinem Besten geschieht.

Wenn du wachsam bist, nimmst du deine Wanderung durchs Leben leicht, ob der Pfad steil, steinig ansteigt oder sanft über blühende Wiesen führt. Und du freust dich ebenso über süsse Heidelbeeren am Wegrand und die frische Quelle wie über den verstauchten Fuss und die schmerzenden Knie.

Wenn du wachsam bist, erkennst du, dass diese Welt und dieses Dasein keine Illusion sind, denen zu entfliehen es gilt, sondern dass sie das liebevolle Werk des Göttlichen sind und dass sein Geist allem – dem Schiefer, der Alpenrose, dem Steinbock, dem Hirtenjungen, aber auch der Seilbahn zum Gipfel und dem Flugzeug, das über den Bergen kreist – innewohnt. Und du siehst, dass sie zwar noch nicht vollkommen, jedoch auf dem Weg zur Vollkommenheit sind, und du weisst: Nicht indem du andere änderst, trägst du zum grossen Werk bei, sondern nur wenn du an deiner eigenen Vollkommenheit arbeitest.

Wenn du wachsam bist, ist das Leben ein Schauspiel, in welchem dir die Hauptrolle zugeteilt ist. Für dich ist nur deine eigene Rolle von Bedeutung, nur in ihr kannst du dich verwirklichen, nur dank ihr kannst du dich entwickeln. Du bist Akteur in einem Stück, dessen Bühne die ganze Welt ist und dessen Ablauf nur der Grosse Regisseur kennt, der das Drehbuch auch geschrieben hat. Deine Aufgabe ist es, seinen Anweisungen in der Stimme deiner Seele zu folgen und deine Rolle so gut wie möglich zu spielen – ganz gleich, welche es gerade ist, die eines Bettlers oder die eines Königs, die eines unbeschwerten Kindes oder die eines sterbenden Greises.

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Warum passiert mir immer wieder das Gleiche?

Der Titel des vorangehenden Beitrags, „Das passiert dir nicht nochmals!“, hat mich gerade inspiriert, heute hier etwas zu veröffentlichen zur gegenteiligen Situation: Warum passiert mir immer wieder das Gleiche?

Eine Leserin stellte mir einmal folgende Frage: „Warum passiert mir mit einer gewissen Regelmässigkeit alle paar Jahre das Gleiche? Beispiele: Mein Auto wurde schon drei Mal aufgebrochen in den letzten fünf Jahren; ich musste meine Stelle schon mehrmals wechseln, weil mein Chef oder meine Kollegen mich mobbten.“

Nachfolgend meine Antwort.
Dafür gibt es zwei Erklärungen.
Erstens. Falls das Ereignis mit seinen Konsequenzen, also den direkten Folge­ereignissen, wirklich völlig gleich ist, so liegt der Schluss nahe, dass du etwas daraus lernen müsstest, was du bisher nicht verstanden hast. Sonst ergäbe es keinen Sinn, dass haargenau das Gleiche mehr als einmal geschieht. Wenn es tatsächlich so ist, dann solltest du in dich gehen und herausfinden, welche Lektion ansteht, die zu lernen dir bisher nicht gelungen ist.
Zweitens. Meistens weisen die Ereignisse – scheinen sie auf den ersten Blick auch identisch – jedoch kleinere oder grössere Unterschiede auf; diese finden wir oft nicht im Ereignis selbst, sondern im Umfeld. Beispiele:
• Unterschiede in unserem Verhalten. Habe ich mich wirklich genauso stark geärgert über das aufgebrochene Auto wie letztes Mal oder konnte ich es mit mehr Gleichmut ertragen?
• Unterschiede in den Konsequenzen. Im Gespräch mit dem Versicherungs-Sachbearbeiter, der meine Schadenanzeige entgegen genommen hat, habe ich nebenbei erfahren, dass bei seiner Versicherung eine Stelle frei geworden ist, für die ich mich dann beworben habe.
• Unterschiede in unserer Wahrnehmung des Ereignisses. Es hat mich tief berührt, wie hilfsbereit ein Unbekannter war, der gerade vorbeikam, als ich den Schaden entdeckte: Er hat mir geholfen, die 1000 Glassplitter der Fensterscheibe aus dem Wageninnern zu entfernen, hat für mich die Polizei angerufen, ist mir die ganze Zeit beigestanden und hat mich schliesslich, als Trost, zu einem Kaffee eingeladen.
• und so weiter.
Die Ereignisse sind also nur oberflächlich betrachtet gleich. Nur ein, vielleicht sogar unbedeutender, Bestandteil des Ge­samt­geschehens ist gleich wie früher, die übrigen – vielleicht die wichtigeren! – sind jedoch jedes Mal verschieden. Ob wir da noch von Wiederholung sprechen können?
Drittens. Alles geschieht uns zwei Mal: Das erste Mal lernen wir daraus, das zweite Mal müssen wir beweisen, dass wir die theoretischen Erkenntnisse aus der ersten Erfahrung nun auch praktisch umsetzen können.

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„Das Buch Antares“: Zeit und Raum und Tiefe und Spannung…

Coverbild
Mir wurde ein Buch geschenkt, das ganz nach meinem Geschmack ist: ein spannender Roman mit spiritueller Tiefe, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vermischt, den Verstand verwirrt und den Geist beflügelt. Beruflich bin ich ständig mit Lesen und Schreiben beschäftigt, vornehmlich von Fach- und Sachtexten; in meiner Freizeit will ich Bücher, die leicht zu lesen sind (bei denen ich nicht jeden Satz zuerst analysieren muss, um ihn zu verstehen), dennoch nicht oberflächlich, die spannende und tiefgründige Geschichten erzählen. Und solche Bücher gibt es meiner Meinung nach viel zu wenige – das war einer der Gründe, warum ich vor bald einem Jahrzehnt meine beiden spirituellen Erzählungen schrieb.
Deshalb will ich euch heute auch „Das Buch Antares“ von Mitra Devi empfehlen. Ich zitiere aus dem Klappentext:

Im Zürich von heute tritt eine junge Frau vor den Richter. Angeklagt des Mordes an der eigenen Schwester, rennt sie an gegen eine Mauer des Schweigens und gerät in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik. Im Venedig des Mittelalters flieht ein verwaister Junge vor der Pest. Er findet Aufnahme in einem Nonnenkloster. Doch als der schwarze Tod vor den Klostermauern nicht Halt macht, steht er wieder verlassen da. Ein geheimnisvoller Brief seines Vaters bringt ihn in die Fänge der Inquisition. Auf dem Mars lebt eine Kolonie von Menschen. Sie sind die letzten ihrer Art, auf der Erde ist alles Leben durch Krieg vernichtet worden. Das Überleben des Menschen scheint gesichert. Da macht sich ein gewaltiger Asteroid bemerkbar, der auf den roten Planeten zurast.
Das Unheil nimmt seinen Lauf. Wie aus dem Nichts taucht «Springer» auf, ein seltsamer Wicht aus einer anderen Dimension, der darauf drängt, dass Menschen aus den vertrauten Bahnen ausbrechen. Es beginnt ein furioser Ritt durch Zeiten und Welten.

Erhältlich im Buchhandel und bei Online-Shops.

Übrigens: Ich bin dankbar für eure Buchempfehlungen! Ihr könnt Sie auf dieser Website hinterlassen, indem ihr auf „Einen Kommentar schreiben“ klickt. Herzlichen Dank!

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Lernen aus Ereignissen

Im Prinzip will uns jedes Ereignis etwas lehren, nichts geschieht ohne Sinn, auch das nicht, was wir zuweilen als „Zufall“ oder „Schicksal“ bezeichnen. Doch manchmal findet der Verstand keine Erklärung, welches die „Lektion“ in unserer Lebensschule ist; das bedeutet aber nicht, dass unsere Seele keine Lehren daraus zieht.
Wir bestehen aus einem mentalen, einem emotionalen, einem körperlichen und einem seelischen (spirituellen) Element, die alle miteinander verwoben sind, aber durchaus auch eigenständig agieren und Erfahrungen sammeln können.
Wenn wir beispielsweise Klavierspielen lernen, werden unsere Hände am Anfang vom Verstand gesteuert, es bedarf eines Denkprozesses, um die richtige Taste anzuschlagen: Auf dem Notenblatt sehen wir, dass als erste die Note C kommt, wir wissen auch, welche Taste das C ist, und schicken dann unseren Finger dahin; das Gleiche geschieht mit der nächsten Note, dann mit der übernächsten und so fort. Mit der Zeit, nachdem wir das Stück wieder und wieder geübt haben, laufen unsere Finger „automatisch“ über die Tastatur und spielen das Musikstück ohne den Denkprozess: Die richtige Tastenfolge ist im Körper-Gedächtnis gespeichert. Das Gleiche geschieht beim Autofahrenlernen (am Anfang müssen wir an jede einzelne Hand- und Fussbewegung denken!) und bei vielen anderen Tätigkeiten.
Es kann also sein, dass unser Verstand ein Ereignis nicht begreift und nicht zu deuten in der Lage ist; es findet jedoch ins körperliche, emotionale oder seelische Element Eingang, bewegt hier etwas und führt eine Veränderung herbei, die uns im Moment zwar nicht bewusst ist, die wir aber später bestimmt wahrnehmen (dieser Sachverhalt ist offenkundig bei traumatischen Erlebnissen, doch es geschieht unzählige Male – von uns unbemerkt – mit positiver Wirkung!). Damit wird also die Wichtigkeit relativiert, das Zugefallene immer verstehen zu müssen. Wir dürfen es auch einfach zur Kenntnis nehmen und darauf vertrauen, dass unsere Seele es verstanden hat.

Ein weiterer Aspekt: Wir können davon ausgehen, dass alles eine Bedeutung, einen Sinn hat und dass alles, was auf der Welt geschieht, miteinander verwoben ist, also auch ein „unbedeutendes“ Detail, wie beispielsweise dass eine bestimmte unbekannte Person neben mir im Zug sitzt. Ob wir diesen Sinn in jedem noch so nebensächlichen Ereignis suchen sollen, ist eine andere Frage! Ständig darüber nachdenken, was dieses und jenes Detail zu bedeuten hat, hindert uns am Er-leben; vielmehr sollten wir einfach staunen, wenn kleine Ereignisse sich zu einem grossen ineinander fügen, wie aus nebensächlichen Begebenheiten entscheidende Wenden im Leben entstehen… Das Dasein ist unheimlich spannend, durchwandern wir es mit offenen Augen, und wir lernen viel beim blossen Beobachten, Wahrnehmen und schlichten Erleben, ohne ständig alles durch den Verstand zu schleusen.

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Schicksalsschläge

Eine Bekannte von mir hat binnen weniger Monate viel Schweres erlitten, und zwar in jedem Lebensbereich, dem persönlichen, dem beruflichen und auch in ihrem Umfeld. Sie steht gewissermassen nackt da, ganz am Boden. Es stellt sich die Frage, warum es solche Häufungen von Schicksalsschlägen gibt – wo doch der einzelne schon schwer zu bewältigen ist und alle zusammen kaum mehr zu ertragen.

Jedes Ereignis an sich hat eine bestimmte Bedeutung, die wir erkennen oder nicht. Käme es als Einzelereignis daher, bestünde offenbar die Gefahr, dass wir uns irgendwie „herauswinden“ ohne daraus zu lernen: Ein einzelnes Problem lässt sich einfacher lösen oder verdrängen. Die Häufung jedoch führt uns an unsere Grenzen, an den Punkt, an dem wir etwas unternehmen müssen – oder „untergehen“: Vielleicht wagen wir positive neue Schritte, weil wir „nichts mehr zu verlieren haben“ (in der Tat haben wir nie etwas zu verlieren!); oder nach einer Zeit des Schmerzes und der Verzweiflung, die wir mit Gleichmut zu ertragen lernen sollen, eröffnen sich uns ungeahnte, bereichernde Möglichkeiten, die wir nicht wahrnehmen könnten, wären die sogenannten Schicksalsschläge nicht alle zusammen aufgetreten.
Und leider sind es oft die schweren Schicksalsschläge, die uns erst auf unseren spirituellen Weg führen oder uns darin bestärken…
Wichtig ist, das Vertrauen nicht zu verlieren, dass nichts geschieht, um uns zu strafen oder zu verletzen. Alles dient unserer Entwicklung und mündet im Guten, in Glück und Erfüllung. An dieser Überzeugung sollten wir unter allen Umständen festhalten!

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