Gegenwind

Wie oft weht uns doch im Leben ein rauer Wind entgegen! Sind wir dann frustiert, verärgert, enttäuscht, verbittert, dass die äusseren Umstände gegen uns sind? Oder nehmen wir sie mit Gleichmut an und ertragen sie? Gelingt es uns vielleicht sogar, in ihnen eine Chance zu erkennen und sie zu nutzen?

Immer wieder vergessen wir, dass wir keine Macht über das Schicksal besitzen. Wir können zwar vorausdenken und planen, uns bemühen und in Weisheit handeln – dennoch haben wir keine Garantie, dass alles so läuft, wie wir es gerne hätten. Und wir vergessen ebenfalls, dass es auf unserem Lebensweg um mehr geht, als um das, was ich (mein Ego) will. Es geht um unsere innere Entwicklung, darum, dass wir lernen – und wie könnten wir das, wenn sich immer alles nach unseren Wünschen gestaltete und wir nie in herausfordernde Situationen gerieten? Wir lernen nicht, indem wir tun, was wir schon beherrschen, sondern nur indem wir uns mit dem beschäftigen, was wir noch nicht können.

Deshalb ist es sinnlos, uns gegen den Wind zu stellen, uns gegen unser Schicksal zu wehren. Wir können dem nicht entfliehen, was für uns als „Lebenslektion“ vorgesehen ist, wir können es höchstens hinauszögern. Aber wer weiss, ob der künftige Sturm dann nicht noch herausfordernder ist als der momentane Gegenwind?

Halten wir es lieber mit einer Weisheit Aristoteles:

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

Sehen wir jede schwierige Situation als eine Chance zu lernen, als eine konkrete Möglichkeit, unser Leben in eine andere Richtung zu lenken. Ich bin davon überzeugt, dass wir das Recht haben, in diesem Leben glücklich zu sein. Ich bin aber auch zutiefst davon überzeugt, dass wir anhaltendes Glück nicht finden, solange wir uns nicht unserem eigenen Lebensweg ergeben, ihn in Gleichmut annehmen, egal wohin er uns führt. Folgen wir ihm hingegen und betrachten ihn nicht länger als unangenehm, unerwünscht, unglücklichmachend, so werden wir darin unsere Lebensfreude und unsere Erfüllung finden – unsere innere Zufriedenheit.

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Alle Lust will Ewigkeit

Ist es nicht so, dass Gleichmut und Nicht-Anhaftung – zwei der wichtigsten Eigenschaften im Karma Yoga und für ein zufriedenes Leben überhaupt – einem viel schwerer fallen, wenn man glücklich ist? Weil man sich dem Glück ganz hingibt, im Überschwang, und es festhalten will? Genau wie Nietzsche schrieb: Alle Lust will Ewigkeit (siehe Textzitat weiter unten).

Wenn wir hingegen traurig, deprimiert, verletzt, vom Schicksal herausgefordert sind, dann müssen wir uns um Gleichmut bemühen. Das sind die Zeiten, in denen wir Gleichmut und Nicht-Anhaftung üben und darin Fortschritte machen.

Es ist aber wichtig, dass wir auch in den glücklichen Momenten gelassen bleiben.
Wollen wir uns nämlich dank Gleichmut dem Drama des Lebens (dem ewigen Auf und Ab) entziehen, so können wir natürlich nicht die Täler meiden, die Gipfel dennoch erklimmen wollen! Wir müssen auf dem sanften Hügelzug der heiteren Gelassenheit wandern. Auch die beglückenden Ereignisse, die uns zu Luftsprüngen verleiten möchten, sind mit einer gesunden Portion Gleichmut entgegen­zuneh­men.
Das will nicht heissen, dass wir uns an dem, was uns zufällt, nicht erfreuen. Wir sind uns dabei jedoch bewusst, dass es eine nebensächliche Gabe ist, nicht die Voraussetzung zu unserer Zufriedenheit. Und dass sich im gegenteiligen Fall für uns überhaupt nichts ändern würde. Die Freuden des Daseins sind sozusagen das Sahnehäubchen auf unserem ohnehin schon süssen Seelenfrieden.

Nachfolgend also das Nachtwandler-Lied von Friedrich Nietzsche aus „Also sprach Zarathustra“.
Den vollständigen Text findet ihr im Projekt Gutenberg.

Sagtet ihr jemals ja zu Einer Lust? Oh, meine Freunde, so sagtet ihr Ja auch zu allem Wehe. Alle Dinge sind verkettet, verfädelt, verliebt, wolltet ihr jemals Ein Mal Zwei Mal, spracht ihr jemals „du gefällst mir, Glück! Husch! Augenblick!“ so wolltet ihr Alles zurück!
Alles von neuem, Alles ewig, Alles verkettet, verfädelt, verliebt, oh so liebtet ihr die Welt, ihr Ewigen, liebt sie ewig und allezeit: und auch zum Weh sprecht ihr: vergeh, aber komm zurück! Denn alle Lust will Ewigkeit!

Alle Lust will aller Dinge Ewigkeit, will Honig, will Hefe, will trunkene Mitternacht, will Gräber, will Gräber-Thränen-Trost, will vergüldetes Abendroth
– was will nicht Lust! sie ist durstiger, herzlicher, hungriger, schrecklicher, heimlicher als alles Weh, sie will sich, sie beisst in sich, des Ringes Wille ringt in ihr, –
– sie will Liebe, sie will Hass, sie ist überreich, schenkt, wirft weg, bettelt, dass Einer sie nimmt, dankt dem Nehmenden, sie möchte gern gehasst sein, –
– so reich ist Lust, dass sie nach Wehe durstet, nach Hölle, nach Hass, nach Schmach, nach dem Krüppel, nach Welt, – denn diese Welt, oh ihr kennt sie ja!
Ihr höheren Menschen, nach euch sehnt sie sich, die Lust, die unbändige, selige, – nach eurem Weh, ihr Missrathenen! Nach Missrathenem sehnt sich alle ewige Lust.
Denn alle Lust will sich selber, drum will sie auch Herzeleid! Oh Glück, oh Schmerz! Oh brich, Herz! Ihr höheren Menschen, lernt es doch, Lust will Ewigkeit,
– Lust will aller Dinge Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!

Lerntet ihr nun mein Lied? Erriethet ihr, was es will? Wohlan! Wohlauf! Ihr höheren Menschen, so singt mir nun meinen Rundgesang!
Singt mir nun selber das Lied, dess Name ist »Noch ein Mal«, dess Sinn ist »in alle Ewigkeit!«, singt, ihr höheren Menschen, Zarathustra’s Rundgesang!
Oh Mensch! Gieb Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
»Ich schlief, ich schlief –,
»Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
»Die Welt ist tief,
»Und tiefer als der Tag gedacht.
»Tief ist ihr Weh –,
»Lust – tiefer noch als Herzeleid:
»Weh spricht: Vergeh!
»Doch alle Lust will Ewigkeit
»will tiefe, tiefe Ewigkeit!«

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Das Salz und der Pfeffer des Lebens?

Spreche ich über Gleichmut oder innere Gelassenheit, bekomme ich manchmal zu hören: „Diese ewige ‘innere Zufriedenheit’: wie langweilig! Es sind doch die Höhen und Tiefen das Salz und der Pfeffer des Lebens…“

Zuweilen begeben wir uns erst auf eine spirituelle oder generelle Sinn-Suche, wenn wir mit unserem Leben unzufrieden sind, wobei der Tiefpunkt, an dem wir angelangt sein müssen, bis wir uns gezwungen fühlen einen Schritt zu unternehmen, individuell ist. Solange der Mensch im „Drama des Lebens“ mit seinem Auf und Nieder einigermassen glücklich ist, besteht für ihn meistens kein Anlass, etwas zu ändern.

Doch haben wir den spirituellen Weg einmal zu unserem Ziel erkoren, so haben Hochs und Tiefs in unserem Leben nichts mehr zu suchen – wir streben die immerwährende All-Seligkeit des Göttlichen an (im Hinduismus Ananda genannt). Das Göttliche, das Absolute, ist die Einheit: Eine unserer Aufgaben besteht darin, die Dualität aufzulösen. Es gibt dann also kein warm und kalt mehr, weder schön noch hässlich, nicht gut und schlecht, kein Geliebtes und Verhasstes – alles ist Eins. Um in diese Einheit zurückzukehren (Gottesverwirklichung, Erleuchtung zu erlangen) müssen wir in allem das Göttliche sehen, in dem, was uns behagt, ebenso wie in jenem, was uns unangenehm ist, und beides als gleichwertig annehmen.
Das ist dieser Gleichmut, der die Höhen und Tiefen des Lebens einebnet und uns bald schon diese innere Zufriedenheit schenkt, die nicht von Äusserem abhängt und allein im Wissen um unsere Einheit mit dem Göttlichen begründet liegt. Darin fühlen wir uns glücklicher als auf den höchsten Gipfeln des Lebensdramas – und das ist keineswegs langweilig! Im Gegenteil: Der einzige Weg, der Langeweile und dem Überdruss des irdischen Daseins auf Dauer zu entkommen und nicht ständig nach einem neuen „Kick“ zu suchen, liegt darin, die eigene innere Entwicklung zum Ziel zu erklären – das macht das Leben jeden Tag von neuem wirklich spannend!

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Eine leidvolle Situation ändern!

Wie lange ist es her, dass ich auf der Strasse ein fröhliches Lied gesummt habe? Lange, viel zu lange, ich erinnere mich nicht einmal. Doch heute habe ich es wieder getan, plötzlich ist es mir bewusst geworden, nachdem ich schon eine ganze Weile unterwegs war.

Seit weit über einem halben Jahr lebte ich in einer für mich sehr belastenden Situation. Vor ein paar Tagen habe ich sie definitiv geändert. Warum ich so lange damit gewartet habe? Weil ich mir nicht sicher war, ob die Stimme in mir, die „Schluss!“ sagte, aus meinem Ego oder aus meiner Seele kam, desgleichen bei der anderen Stimme, die mir „Geduld!“ zurief. Einmal war diese Stimme aktiver, einmal die andere – und ich war ratlos. Ich. Ich, die ich immer behaupte, dass wir sehr wohl die Stimme des Ego von der Stimme der Seele unterscheiden können.
Zu dieser Aussage stehe ich immer noch. Wir können die beiden Stimmen unterscheiden – wenn wir es wollen. Aber starke Gefühle oder Emotionen hindern uns manchmal daran; wir wüssten zwar, was besser für uns wäre, aber…
Das Problem liegt oft auch darin, dass wir zu wissen meinen, wie es sein wird, wenn wir das eine oder das andere tun, und Angst vor dem Leiden haben. Aber später, wenn wir dann gehandelt haben, stellen wir fest, dass es überhaupt nicht so gekommen ist, wie wir befürchtet hatten.

Nun da ich meine innere Zufriedenheit und meinen Seelenfrieden wieder gefunden habe, frage ich mich natürlich: Was sollte ich aus dieser belastenden Situation lernen? War es eine Übung in Gleichmut oder eine in Entschlossenheit, etwas zu ändern?
Es spielt keine Rolle. Das ist mir jetzt ebenfalls klar geworden. Ich hätte Gleichmut üben können, wenn ich mich bemüht hätte, die Situation gleichmütig zu ertragen. Das habe ich offenbar nicht geschafft. Ich hätte Entschlossenheit und Selbstliebe üben können, wenn ich den Schritt, den ich nun gemacht habe, schon viel früher gemacht hätte. Nun ja, jetzt habe ich ihn ja gemacht, und wertvolle Erkenntnisse daraus gewonnen.

Ich erzähle euch das, um euch zu ermuntern, nicht so lange zu warten, wie ich es getan habe. Mein spiritueller Lehrer sagte mir immer: „Solange es dir gut geht, brauchst du an deinem Leben nichts zu ändern. Aber wenn es dir nicht mehr gut geht, dann ändere etwas, und zwar sofort!“
Nehmen wir also dieses klare Symptom zum Wegweiser: Wenn es uns schlecht geht, wenn schlaflose Nächte, kreisende Gedanken uns quälen, wenn wir unseren inneren Frieden verloren haben – bewegen wir uns, ändern wir die Situation! Ohne Angst vor dem, was kommt. Es wird immer etwas sein, das uns weiter bringt, das uns etwas lehrt, immer eine Erfahrung, nie ein Fehler. Und uns am Ende glücklicher macht.

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Das Drama des Lebens

„Traurigkeit gehört zum Leben, Schmerz gehört zum Leben, Hochs und Tiefs gehören zum Leben…“ Solche und ähnliche Äusserungen hört man immer wieder.
Ja, Traurigkeit, Schmerz, Leid, Hochs und Tiefs gehören zum Leben, weil wir es zulassen! Doch es müsste nicht so sein.
Diese Aussage darf nicht gleichgesetzt werden mit der überheblichen Haltung derjenigen, die aus einer momentanen Position von Stärke und Wohlergehen all jene gnadenlos verurteilen, denen es schlecht geht: „Sie sind selber schuld… Jeder kann sein Leben selbst gestalten, man muss es halt in die Hand nehmen… Die sollen nicht so zimperlich, wehleidig, schwach sein…“
Nein: Schmerz, Leiden, Traurigkeit sind nicht selbst verschuldet. Niemand würde sich das antun, wenn er es zu verhindern wüsste! Aber die meisten Menschen wissen nicht, wie ihnen entgehen und daran leiden sie. Das war ja auch die Erkenntnis des Buddha, weshalb er eine Lösung gesucht und einen Ausweg gefunden hat.

Ist meine obige Aussage „Doch es müsste nicht so sein“ also unrichtig? Nein, nur ungenau. Ungeliebte Empfindungen wie Schmerz, Traurigkeit, aber auch Verletztheit, Frustration, Demütigung und andere existieren zweifellos. Sie haben stets eine auslösende Ursache. Diese (ein Ereignis, eine Situation usw.) ist jedoch an sich wertfrei, weder gut noch schlecht: Erst durch unsere Bewertung und unsere Reaktion darauf, wird sie für uns zu etwas Unangenehmem, Ungeliebtem, Unerwünschtem.
Damit sind wir beim Thema der Dualität: Die einen Dinge wollen wir und hängen an ihnen (z.B. Reichtum), die anderen wollen wir nicht (z.B. Armut) und versuchen folglich, sie zu meiden.
Gelingt es uns jedoch, sie ohne Bewertung zu betrachten, hören die ungeliebten Empfindungen auf zu existieren – die geliebten allerdings auch! Letzeres wollen viele Menschen nicht, sie hängen am „Drama des Lebens“ mit seinen Hochs und Tiefs und verschmähen die Möglichkeit, ihm durch Gleichmut und Nichtwerten zu entkommen.

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Im Kampf gegen das Ego

In den letzten Tagen hatte ich mit mehreren Menschen zu tun, die sich momentan intensiv mit ihrem Ego beschäftigen beziehungsweise mit bestimmten Aspekten davon – Einsamkeit, Empfinden von Ausgegrenztheit oder Nutzlosigkeit, Verletzung, Liebeskummer. Und sie kämpfen! Sie kämpfen gegen diese Empfindungen und gegen den Schmerz, den sie spüren. Sie wollen ihr Ego besiegen und die Zufriedenheit finden, die tief in jedem von uns stets vorhanden ist.

Doch der Kampf ist nicht das richtige Mittel! Es gibt ein physikalisches Gesetz, das besagt: Jede Kraft erzeugt eine Gegenkraft! Je mehr wir gegen das Ego und seine Eigenschaften ankämpfen, desto mehr Kraft verleihen wir ihnen!
Loslassen ist der erste Grundsatz… den Kampf loslassen. Uns einmal so akzeptieren, wie wir sind, mit der Einsamkeit, den negativen Empfindungen, dem mangelnden Selbstwertgefühl, einfach hinschauen und sagen: Ja, so bin ich und so ist es gut. Wenn es uns gelingt, uns so zu akzeptieren, wie wir sind, dann spielt es überhaupt keine Rolle, wie viele „schlechte“ Eigenschaften wir haben!

Nur: Was machen wir mit dem Schmerz in uns, der durch diese Empfindungen hervorgerufen wird? Er ist mehr als unangenehm, und vor allem: Er ist es, den wir im Grunde genommen unbedingt loswerden wollen! Aber auch gegen ihn ist der Kampf aussichtslos! Je mehr wir uns mit ihm beschäftigen, desto mehr Macht geben wir ihm.
Das Ego sucht Emotionen, das ist eine Tatsache. Kann es keine lustvollen bekommen, so nimmt es mit unangenehmen, schmerzlichen, quälenden vorlieb – Hauptsache es hat überhaupt welche! Und wir müssen zuallererst aufhören, diese Emotionen durch unsere Hinwendung und unser Selbstmitleid zu füttern. Wir müssen sie ignorieren – so weit uns das gelingt –, indem wir uns ablenken und uns durch sie nicht von unseren übrigen Tätigkeiten, Pflichten und Vergnügen abhalten lassen. Dann „verhungern“ sie mit der Zeit und lassen von uns ab.
Zugegeben, das ist nicht ganz einfach. Wir müssen uns intensiv bemühen, unser Denken immer wieder von den quälenden Erinnerungen und kreisenden Gedanken abzuziehen. Es hilft in der Regel auch nicht, uns durch „rationale“ Argumente selbst überzeugen zu wollen, beispielsweise warum die Verletzung, die uns jemand zugefügt hat, eigentlich gar nicht so schlimm ist, warum sich der Liebeskummer nicht lohnt und mehr dergleichen; denn auch solche Gedanken sind schliesslich nichts anderes als eine Form der Hinwendung zu unserem Schmerz.
Ich persönlich versuche in solchen Situationen, mein Ego nicht ernst zu nehmen: „So, so, du willst meine Aufmerksamkeit?“, sage ich jeweils zu ihm (zu mir selbst!), „War es dir in letzter Zeit zu wohl, dass du jetzt unbedingt einen Schmerz suchst? Na, dann behalte ihn doch, wenn es dir Spass macht! Ich nehme ihn dir bestimmt nicht weg.“ Und dann wende ich mich davon ab.
Eine andere Methode, die je nach Fall auch gut wirkt, ist den Schmerz in Wut zu verwandeln (mit Wut können wir in der Regel besser umgehen – und sie tut vor allem nicht weh!). Sind wir beispielsweise verletzt worden, können wir uns sagen: „Was erlaubt sich X überhaupt, mir so etwas zu sagen/anzutun? Unsensibel und rücksichtslos ist er! Der hat ja keine Ahnung, wer ich bin!“ Und mehr in der Art. Nachdem wir dann Wut verspüren und sie eine Weile ausgelebt haben (und der Schmerz sich gelegt hat), sollten wir sie allerdings wieder loswerden. Dazu können wir beispielsweise nach Gründen suchen, warum X sich so verhalten haben könnte: „Er wurde halt auch schon oft verletzt, er kann gar nicht anders…“ Oder wir ziehen einfach einen Schlussstrich und verzeihen.

Es gibt verschiedene Wege, mit diesem Schmerz umzugehen, jeder muss seinen eigenen finden. Entscheidend ist in jedem Fall – wie gesagt –, nicht dagegen anzukämpfen und sich nicht direkt damit beschäftigen.
Bis der Schmerz dann endgültig von uns gegangen ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als ihn anzunehmen und zu ertragen. Dieses Thema habe ich in einem früheren Beitrag auf meiner Website „Selbstliebe“ näher erläutert, siehe hier.

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Und trotzdem nicht glücklich…

Kennt ihr das? Ich habe alles, was ich brauche, was ich mir wünsche, vielleicht gerade ein ersehntes Ziel erreicht – und trotzdem bin ich nicht glücklich.
Eine Bekannte, Anfang 30, sagte einst zu mir: „Ich dachte immer, wenn ich eines Tages meinen Traummann gefunden habe, würde ich glücklich sein. – Jetzt habe ich ihn, aber glücklich bin ich nicht.“

Es wäre zu banal, an dieser Stelle zu erklären: „Ja, ja, das Irdische schenkt halt nie die tiefe Zufriedenheit.“ Das stimmt so nicht. Es gibt viel Schönes auf dieser Welt, an dem wir uns erfreuen können/dürfen/sollen. Wir müssen uns gleichzeitig nur bewusst sein,
1. dass es keine Garantie gibt, das Ersehnte immer zu bekommen, und
2. dass alles vergänglich ist.
Einer der Gründe, warum wir nicht glücklich sind, liegt in unserer Angst, das, was uns glücklich macht/machen soll, nie zu bekommen oder – sofern wir es bereits besitzen – wieder zu verlieren. Wie sehr vermiesen wir uns dadurch die Freude daran, wie sehr wird das Leben zu einem Kampf um dieses oder jenes, wie sehr beherrschen Sorge und Angst unseren Alltag!

Aber nur daran kann es nicht liegen. Ganz so banal ist die obige Aussage über das Irdische doch nicht; sie muss nur präzisiert werden.
Wir mögen in dieser Welt dieses und jenes anstreben, Gesundheit, materielle Sicherheit, eine liebe Familie und mehr – was durchaus berechtigt ist. Unsere Seele wird sich aber nie damit zufrieden geben! Sie strebt einzig das Höhere an, das ferne Ziel und der alleinige Sinn unserer Existenz. Wir können in dieser Welt eine Menge erreichen, doch immer wird ein neuer Wunsch auftauchen: Es ist unsere Seele, die uns dazu antreibt, stets nach Neuem zu streben, immer wieder etwas zu wollen – damit wir irgendwann schliesslich erkennen, dass nichts Irdisches uns genügt, nichts die Sehnsucht unserer Seele stillen kann.
Alles, was wir bekommen/erlangen, wird schnell zur Gewohnheit, zur Selbstverständlichkeit, bald stellt sich Langeweile oder Überdruss ein. Bald taucht die Frage auf: „Ist das alles? Und jetzt?“

Der einzige Weg, der Langeweile und dem Überdruss des irdischen Daseins auf Dauer zu entkommen und nicht ständig neuen Wünschen nachlaufen zu müssen, liegt darin, die eigene innere Entwicklung zum Ziel zu erklären – das macht das Leben jeden Tag von neuem wirklich spannend! Und schenkt uns bald die wahre Lebensfreude.

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Wertungen…

In Indien wird oft durch Geschichten gelehrt – wie im Sufismus übrigens auch. Ebenfalls in anderen Kulturen und zu allen Zeiten dienten sinnbildliche Erzählungen dazu, Erkenntnisse auf liebevolle Weise zu vermitteln. Hier eine Geschichte aus dem alten Griechenland.

Der Fabeldichter Aesop sass einmal am Rand der Strasse nach Athen. Ein Mann, der vorbeikam, fragte ihn: „Wie sind denn die Menschen in Athen?“
Aesop fragte ihn: „Sag mir zuerst, woher du kommst und wie die Leute dort sind.“
Der Reisende sagte: „Ich komme aus Argos. Die Menschen dort lügen, stehlen, sind ungerecht und streitsüchtig. Ich bin froh, von dort wegzukommen.“
„Ja, schade für dich“, antwortete Aesop, „du wirst in Athen ebensolche Leute finden.“
Etwas später kam ein anderer Reisender vorbei und stellte die gleiche Frage. Auch bei ihm erkundigte sich Aesop nach seiner Herkunft und den Bewohnern seiner Stadt. Der Mann antwortete: „Ich komme aus Argos. Alle Menschen dort sind sehr nett, freundlich, ehrlich und gerecht. Ich ziehe wirklich ungern von dort weg.“
Da lächelte Aesop und sagte: „Du wirst in Athen die gleiche Art Menschen finden.“

Eine persönliche Erfahrung in den letzten Tagen (ihr findet sie hier) hat mich dazu bewogen, heute diese Geschichte wiederzugeben.
Die Dinge, Menschen, Situationen sind weder gut noch schlecht. Einzig unsere Bewertung macht sie zu dem, was wir sehen (wollen), und diese hängt oft mit unserer eigenen inneren Zufriedenheit beziehungsweise Unzufriedenheit zusammen. Finden wir die innere Zufriedenheit, die unabhängig von äusseren Umständen ist, so ist alles nur noch schön, angenehm, lieblich…

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Gleichmut, ein weiterer Pfeiler des sonnigen Wegs

Gleichmut, nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit, wird in der Bhagavad Gita treffend beschrieben:

[Der Erhabene spricht:] Wer das Erfreuliche nicht begehrt und nicht jubelt, wenn es ihm zufällt, wer vor dem Unerfreulichen nicht zurückschreckt und nicht betrübt ist, wenn es ihn befällt, wer keinen Unterschied mehr macht zwischen glücklichen und unglücklichen Ereignissen, dieser ist Mir lieb.
Gleichmütig gegenüber Freund und Feind, gleichmütig gegenüber Ehrung und Beschimpfung, Freude und Schmerz, Lob und Tadel, Sorge und Glücklichsein, Hitze und Kälte […] ein solcher Mensch ist Mir lieb.
Bhagavad Gita XII, 17-19

Unser Leben pendelt in der Regel zwischen Auf und Ab, von Himmelhochjauchzend bis Zutodebetrübt. Wollen wir das eine, müssen wir das andere in Kauf nehmen – keine Berge ohne Täler.
Man hört manchmal: „Das gehört halt zum Leben! Diese ewige Gelassenheit – das wäre doch langweilig!“ Doch meistens sagen wir das nur, wenn wir uns gerade in einem Hoch befinden – fallen wir in ein Loch, wünschen wir uns nichts sehnlicher, als wieder herauszukommen.
Diese „ewige Gelassenheit“ ist alles andere als langweilig! Es ist eine immerwährende Zufriedenheit, eine tiefe Lebensfreude in jedem Augenblick, eine innere Ruhe, Seelenfrieden. Es ist der natürliche Zustand des Menschen, der sich entschlossen hat, sich nicht länger dem Diktat von Lust und Unlust, der Tyrannei von Glück und Leid zu beugen.

Wir werden diese Eigenschaft nicht von einem Tag auf den anderen erlangen; wie bei all unseren Veränderungen müssen wir an uns arbeiten – doch es lohnt sich: In Gleichmut lebt es sich so leicht!
Wahrer Gleichmut geht so weit, dass wir selbst gegenüber Krankheit und Verletzungen (körperliche und psychische) „immun“ werden. Doch fangen wir nicht bei solch anspruchsvollen Lebenssituationen an zu üben, sondern bei den alltäglichen Kleinigkeiten:
• Es ist keine Milch mehr da – dann trinke ich den Kaffee halt ohne und murre nicht, wie grässlich er schmeckt.
• Ein Freund, mit dem ich verabredet war, sagt ab – dann mache ich halt etwas anderes und sitze nicht beleidigt zu Hause herum. *
• Ich wollte ins Kino, aber meine Mutter hat mich jetzt gebeten, ihr beim Grosseinkauf zu helfen – ich gehe freudig mit ihr, nicht etwa widerwillig, weil ich muss.
• Ich finde keinen Parkplatz … Der Zug hat grosse Verspätung … Meine Tasche wurde mir gestohlen … Ich verschütte Himbeersirup auf das weisse Tischtuch … Mein Computer ist von einem Virus befallen worden … – unzählige sind die Alltagssituationen, in denen wir uns in Gleichmut üben können!

Aber auch: Ich habe die tolle Wohnung bekommen … Ich bin endlich schwanger geworden … Ich habe im Lotto gewonnen … Mein Mann ist von einer schwerer Krankheit vollständig genesen – ich empfinde eine ruhige, dankbare Freude und mache nicht Luftsprünge vor lauter Glück!

In so genannt angenehmen wie in unangenehmen Lagen bin ich mir bewusst, dass meine Zufriedenheit stets in mir ist und nicht von den äusseren Umständen abhängt.

* In allen Situationen, in denen Mitmenschen sich mir gegenüber unkorrekt verhalten, bedeutet Gleichmut keineswegs, dass ich sie nicht auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen soll, denn das ist mein Recht und auch gut für sie – doch eben mit „Gleichmut“, also nicht wütend, verletzend, beleidigend, sondern klar und sachlich. Und vor allem darf ich mich nicht über das mir „Angetane“ ärgern, verletzt oder beleidigt fühlen! Zu mir selbst muss ich sagen: „Es ist wie es ist, und so ist es gut.“

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Wunschlos glücklich sein in dieser Welt ist unser angeborenes Recht

Wunschlos glücklich sein: Dieser Zustand ist unser angeborenes Recht und wir haben es nicht verwirkt, als Adam und Eva das Paradies verliessen! Es ist bloss nicht mehr so selbstverständlich; wir müssen, um diese Zufriedenheit zu erlangen, etwas tun, uns bemühen.
Was braucht es denn, damit wir wunschlos glücklich sein können? Oder anders herum gefragt: Was hindert uns daran?
Im Wort selbst liegt das Geheimnis: Wunsch-los. Wir werden nie wirklich glücklich sein, solange wir noch Wünsche haben, auf deren Erfüllung wir hoffen und um deren Verwirklichung wir uns bemühen.
Unsere Wünsche betreffen alltägliche Banalitäten (am Morgen ein Stündchen länger schlafen; Sonnenschein statt Regen) ebenso wie materielle Befriedigung (gutes Essen, ein schönes Haus, tollen Urlaub). Weitere Wünsche sind an unser Umfeld und unsere Mitmenschen gerichtet: Wir möchten einen anderen Job, einen anderen Chef, andere Kollegen, gar einen anderen Beruf; der geliebte Mensch möge uns lieben, treu sein, aufmerksamer, nicht so dick, sensibler, stets wissen, was wir gerade von ihm erwarten… Dann geht es über die existenziellen Wünsche (gesund bleiben, genug verdienen, Erfüllung im Beruf und in der Familie finden) zu den „höheren“ (etwas für die Gesellschaft, die Umwelt, die Menschheit tun).
Wünsche prägen unser tägliches Leben. Doch solange ein einziger Wunsch in uns ist, und sei es der edelste, sind wir nicht wunsch-los glücklich.

Wünsche sind allerdings etwas Urmenschliches. Schon beim kleinen Kind erkennen wir, wie viele Wünsche es hat und wie heftig es reagieren kann, wenn sie nicht erfüllt werden!
Evolutionsgeschichtlich gesehen hatten Wünsche durchaus eine wichtige Funktion: Sie haben die Menschheit weiter gebracht. Wo wären wir ohne unseren Wunsch nach Wissen, nach Erkenntnis, nach Entdeckung und ohne unser Streben nach Höherem?
Gleichzeitig hindern uns die Wünsche aber daran, zutiefst glücklich zu sein – ein Dilemma! Für das es allerdings eine Lösung gibt: Gleichmut statt Himmelhochjauchzendzutodebetrübt.

Der gewöhnliche Alltag ist geprägt davon, dass wir bestimmte Dinge, Empfindungen, Situationen begehren und uns unglücklich fühlen, wenn wir sie nicht erlangen. Das Gegenteil belastet uns meistens noch stärker: etwas bekommen, was wir gar nicht haben wollen, Krankheiten zum Beispiel, körperliche und psychische Schmerzen, auferlegte Zwänge, Pflichten, Verantwortung und vieles mehr – alles, was wir uns weg-wünschen.
Das „Drama des Lebens“ hat uns dabei voll im Griff: einmal unbändige Freude, ein andermal tiefe Betrübnis. Dieses Auf und Ab scheint uns normal: „So ist das Leben“.
So ist das Leben – aber nur äusserlich betrachtet. In einem verborgenen Kämmerlein in uns wohnt allgegenwärtige Zufriedenheit, unabhängig von den tatsächlichen Umständen. Gleichmut ist der Schlüssel, der uns diese Türe öffnet.
Gleichmut bedeutet: Leid, Schmerz, Unangenehmes ebenso willkommen zu heissen wie das, was wir gemeinhin als erfreulich und schön bezeichnen, oder vorerst zumindest als neutral zu betrachten. Wenn wir krank* sind, es nicht als negativ, lästig, leidvoll bewerten, sondern einfach einmal als gegeben annehmen; wenn wir eine Arbeit verrichten müssen, die wir, wie man sagt, „hassen“, sie ohne negative Empfindungen ausführen; wenn wir Hunger verspüren und sich gerade keine Gelegenheit bietet, etwas zu essen, diesen Zustand teilnahmslos akzeptieren.
Auf der anderen Seite sollten wir auch die beglückenden Ereignisse und Errungenschaften, die uns zu Luftsprüngen verleiten möchten, mit einer gesunden Portion Gleichmut entgegennehmen. Das will nicht heissen, dass wir uns an dem, was uns zufällt, nicht erfreuen dürfen; wir sollten uns dabei lediglich bewusst sein, dass es eine „nebensächliche Gabe“ ist und nicht die Voraussetzung zu unserem Glück. Unsere Freude äussert sich dann nicht in unbändigem Hochgefühl, sondern als ruhige, gesetzte Dankbarkeit.

Nicht bekommen, was wir begehren, und besitzen, was wir nicht haben wollen: Das ist also das Hindernis zum Glücklichsein. Wir bauen es selbst auf durch unsere Beurteilung, unsere Trennung in schön/hässlich, gut/böse, angenehm/unangenehm – durch den Genuss der verbotenen Frucht vom paradiesischen Baum der Erkenntnis.
Hören wir hingegen auf zu werten, die Gegebenheiten und Ereignisse in gute und schlechte einzuteilen, sind wir dem Paradies ein Stück näher gerückt. Mit der Zeit schaffen wir es dann auch, unsere Wünsche und Begehren fallenzulassen: Wir nehmen in jedem Augenblick an, was uns gegeben wird, wir tun in jedem Augenblick, was getan werden muss, wir vertrauen, dass alles, was uns geschieht, was uns gegeben wird, gut für uns ist und uns auf unserem Lebensweg weiter bringt.
Dann entsteht die Zufriedenheit aus uns selbst heraus; sie ist in jedem von uns vorhanden, verborgen zwar, aber bereit, aus der Tiefe unserer Seele auch an die Oberfläche zu gelangen und unser Leben hier in dieser Welt zu einem glücklichen zu machen – ganz egal, was um uns und mit uns geschieht.

* In diesem Zusammenhang sind in erster Linie „harmlose“ Krankheiten zu verstehen, wie Grippe, Kopfschmerzen usw.; um mit schweren, behindernden oder gar lebensbedrohlichen umzugehen, braucht es neben Gleichmut auch ein starkes Urvertrauen.

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