„Mein“ Königsgaukler

Einen Herzenswunsch habe ich mir erfüllt: „Der Königsgaukler“ von Manfred Kyber in meinem Verlag neu herausgegeben. Dieses Märchen aus dem Jahr 1921 über den tieferen Sinn des Lebens kenne ich seit vielen Jahrzehnten und habe es ebenso oft wieder gelesen wie weitergegeben. Jedes Mal, wenn Freunde sich gerade in einer schwierigen Lebenslage befanden und traurig waren oder meinten, nicht mehr weiter­zuwissen, habe ich ihnen mein Exemplar geschenkt, in der Hoffnung, es möge ihnen ebenso viel Trost und Zuversicht spenden wie es mir bei ähnlichen Gemütszuständen jeweils gebracht hat. Für mich habe ich dann immer sofort ein neues Büchlein gekauft – und bald schon wieder verschenken „müssen“.
Gab es früher einmal eine schöne gebundene Ausgabe, so finde ich seit Jahren keine mehr, die mir gefällt und die ich gerne verschenke. Das ist der Grund, warum ich mich entschlossen habe, den Königs­gauk­ler selber herauszugeben: Dieses Juwel der spirituellen Literatur soll liebevoll gestaltet sein und sich edel präsentieren.

Der Königsgaukler ist eines der vier Bücher, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wäre ich für den Rest des Lebens dorthin verbannt. Jetzt wollt ihr wahrscheinlich wissen, welche die anderen drei sind? Die „Bhagavad Gita“, ein fast zwei Jahrtausende alter spiritueller Text aus Indien, „Essays on the Gita“ von Sri Aurobindo, dem großen indischen Philosophen und Mystiker, und „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Auch diese Bücher habe ich, wie den Königsgaukler, schon unzählige Male gelesen. Natürlich würde ich viele andere Werke nur ungerne zurücklassen, aber mit diesen vier könnte ich meine Seele und mein Gemüt ausreichend nähren. Bis an mein Lebensende. Alle sind sie nämlich zeitlos – ich bin versucht zu sagen: ewig – in ihrer Weisheit und ihrer Eigenschaft, das Herz zu erwärmen und zutiefst zu berühren.

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Manfred Kyber: Der Königsgaukler
nada Verlag
Hardcover, 72 Seiten
ISBN 978-3-907091-08-1
Preis: EUR 17.00

„Der Königsgaukler“ von Manfred Kyber im nada Verlag ist erhältlich in Buchhandlungen und in Online-Shops.

ACHTUNG: Es gibt mehrere Ausgaben dieses Märchens auf dem Markt (keine so schön wie meine 😉 Beim Kauf müsst ihr deshalb unbedingt angeben, dass ihr diejenige des nada Verlags wollt, oder die ISBN 978-3-907091-08-1 mitteilen.

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Einige Rezepte für höhere Achtsamkeit

Um aus jedem Ereignis und jeder Situation unseres Lebens den größten Profit zu ziehen, also zu lernen, müssen wir achtsam sein, den Alltag nicht wie Schlafwandler an uns vorbeiziehen lassen. Achtsamkeit ist eines der Glieder des Achtfachen Pfades im Buddhismus und umfasst die Achtsamkeit für die Körperfunktionen, die Sinnesreize, die Emotionen und die Gedanken. Wir sollen sie be­wusst wahrnehmen, was be­dingt und uns dazu zwingt, in der Gegenwart zu leben.
Achtsam sein bedeutet in erster Linie, wachsam zu sein, wie wir es bei einer drohenden Gefahr täten, beispielsweise wenn wir nachts durch eine dunkle, menschenleere Straße gehen und alle unsere Sinne in Alarmbereitschaft stehen, um das leiseste Geräusch, jeden flüchtigen Schatten wahrzunehmen. Oder, mit einem positiveren Beispiel erläutert, so wachsam und konzentriert wie wir in einer Schulstunde den Worten und Handlungen des Lehrers folgen, um zu lernen und gegebenenfalls richtig zu reagieren: eine wichtige Aussage aufschreiben, eine Aufgabe lösen, eine Frage stellen, …
Andernfalls handeln wir eben wie Schlafwandler, die blind und unbewusst durch Räume ziehen, ohne wahrzunehmen, was sich darin befindet und ereignet.
Erst durch die Achtsamkeit, die es uns erlaubt, eine Si­tuation in ihrer Ganzheitlichkeit und Unmittelbarkeit zu erkennen, können wir überhaupt angemessen darauf reagieren, also willentlich, aus unserer Seele – im Gegensatz zur Steuerung aus dem Unbewussten, etwa durch Triebe und Verhaltensmuster, oder aus dem Ego.

Achtsamkeit ist Übungssache. Nur indem wir die Ge­dan­ken immer wieder am Umherschweifen hindern, sie in die Gegenwart zurückholen, wird Achtsamkeit eines Tages zur Gewohnheit. Das dauert lange, viele Jahre, und er­for­dert ein hohes Maß an Willenskraft und Selbstkontrolle.
Neben der bekannten Methode, in Gedanken immer ganz bei der Tätigkeit zu sein, die wir gerade ausüben, gibt es weitere hilfreiche Übungen, von denen wir zu­mindest die erste leicht in den Alltag integrieren können:
• Bei einem Gespräch neigen wir dazu, noch während un­ser Gegenüber redet, bereits in Gedanken unsere Antwort zu formulieren oder zumindest über Argumente nachzudenken. Das sollten wir unterbinden, indem wir uns völlig da­­rauf konzentrieren, was der Gesprächspartner sagt, Wort für Wort in uns aufnehmen und uns ernsthaft bemühen, dabei nicht zu denken, sondern hinzuhören. Nur dann nehmen wir auch wahr, was er nicht sagt.
• Schweifen die Gedanken in unserem Kopf umher, versuchen wir, sie zu beobachten. Dies mit Worten zu erklären, ist schwierig: Wir sind gewissermaßen zweigeteilt, ein Teil denkt, der andere Teil beobachtet dieses Denken, als handelte es sich dabei um eine andere Person, und lässt es vorbeiziehen, ohne es festzuhalten.
• Auch können wir zuschauen, wie die Gedanken, bevor sie in unserem Kopf sind, von außen in uns hereinkommen. Wahrscheinlich werden wir das nicht auf Anhieb schaffen, doch es ist eine lohnende Übung. Gelingt es uns nämlich, Gedanken als nicht zu uns gehörend zu betrachten, als Eindringlinge, die von außen (aus dem Äther, einer anderen Di­mension oder woher auch immer) in uns strömen, können wir sie stoppen, bevor sie eintreffen, sie draußen lassen. Diese Möglichkeit ist uns natürlich verwehrt, be­trachten wir sie als eigene Geschöpfe, die in uns entstehen und uns eigen sind.

Achtsamkeit ist anstrengend, eine Fulltime-Beschäftigung gewissermaßen. Deshalb empfehle ich, von Zeit zu Zeit einen „Tag der Achtsamkeit“ einzulegen, an dem wir uns tatsächlich von morgens bis abends konzentriert und konsequent darum bemühen. Danach uns aber wieder einige „unachtsame“ Tage zu gönnen, sonst werden wir der Achtsamkeit schnell überdrüssig und geben sie ganz auf.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus Kapitel 6 meines Buches „Alltägliches Handeln im spirituellen Geist“ (Band 2 der Sonnwandeln-Reihe).

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Band II meiner spirituellen Buchreihe Sonnwandeln ist erschienen

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Alltägliches Handeln im spirituellen Geist
Sonnwandeln Band II

von Karin Jundt
nada Verlag
ISBN 978-3-907091-07-4
Paperback, 256 Seiten
EUR 19.00 / ca. CHF 25.00

Die geerdete Spiritualität, die meiner ganzen Sonnwandeln-Reihe zugrunde liegt, prägt besonders diesen zweiten Band: Wie sollen wir Menschen auf dem spirituellen Weg konkret mit All­tags­themen und -heraus­forderungen umgehen? Etwa mit Ängsten und den lästigen Ge­wohn­heiten, mit den schwer überwindbaren Prä­gun­gen der Kindheit, mit den „Lastern“ wie Zorn oder Unmäßigkeit, den Lügen, die uns so leicht über die Lippen kommen… Und schließ­lich geht es auch um die Achtsamkeit im täglichen Leben und die un­er­lässliche Selbstdisziplin.

Erhältlich:
• im Buchhandel und in den Online-Shops

Die weiteren Bände dieser Reihe erscheinen nach und nach bis 2018.

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Buddhas brennendes Haus

In einem Gedicht lässt Bertolt Brecht* den Buddha ein Gleichnis erzählen. Er kam zu einem brennenden Haus, in dem noch Menschen waren. Er rief ihnen zu, sie sollen sich retten, aber die Leute begannen Fragen zu stellen: „Wie ist das Wetter draussen?“; „Gibt es ein anderes Haus für uns?“ und mehr dergleichen. Der Buddha dachte bei sich, diese Leute müssten verbrennen, bevor sie aufhörten, Fragen zu stellen, und ging.

Ja, in der Tat, wenn wir uns in einem brennenden Haus befinden, müssen wir nur sehen, dass wir herauskommen – zu erfahren, wer es angezündet hat, wie es draussen ist, wohin wir anschliessend gehen sollen, nützt uns nichts.

Oft wollen wir wissen, warum wir uns in einer bestimmten Situation befinden, was dazu geführt hat, wer schuld daran sei, anstatt zuerst einmal einen Ausweg zu finden: „Die Situation X ist, wie sie ist, an diesem Punkt meines Lebenswegs stehe ich gerade – wie kann ich sie verändern?“ Unsere Innere Stimme wird uns die Antwort geben; vertrauen wir ihr blind, auch wenn unser Verstand keine rationale Argumentation dafür liefern kann. Unsere Seele weiss immer, was gut für uns ist.
Danach, aber erst danach, können wir uns Fragen stellen, wie: „Was soll ich daraus lernen? Welchen Sinn hat das Geschehene für mich?“ Und: „Wohin könnte ich von hier aus gehen?“

*Den Gedichttext findet ihr auf der Philos-Website. Brecht schrieb das Gedicht 1937, um vor dem Nationalsozialismus zu warnen. Buddha hatte in seinen Lehren tatsächlich die irdische Existenz als brennendes Haus bezeichnet, das wir verlassen müssen, um dem Leiden zu entkommen.

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Gegenwind

Wie oft weht uns doch im Leben ein rauer Wind entgegen! Sind wir dann frustiert, verärgert, enttäuscht, verbittert, dass die äusseren Umstände gegen uns sind? Oder nehmen wir sie mit Gleichmut an und ertragen sie? Gelingt es uns vielleicht sogar, in ihnen eine Chance zu erkennen und sie zu nutzen?

Immer wieder vergessen wir, dass wir keine Macht über das Schicksal besitzen. Wir können zwar vorausdenken und planen, uns bemühen und in Weisheit handeln – dennoch haben wir keine Garantie, dass alles so läuft, wie wir es gerne hätten. Und wir vergessen ebenfalls, dass es auf unserem Lebensweg um mehr geht, als um das, was ich (mein Ego) will. Es geht um unsere innere Entwicklung, darum, dass wir lernen – und wie könnten wir das, wenn sich immer alles nach unseren Wünschen gestaltete und wir nie in herausfordernde Situationen gerieten? Wir lernen nicht, indem wir tun, was wir schon beherrschen, sondern nur indem wir uns mit dem beschäftigen, was wir noch nicht können.

Deshalb ist es sinnlos, uns gegen den Wind zu stellen, uns gegen unser Schicksal zu wehren. Wir können dem nicht entfliehen, was für uns als „Lebenslektion“ vorgesehen ist, wir können es höchstens hinauszögern. Aber wer weiss, ob der künftige Sturm dann nicht noch herausfordernder ist als der momentane Gegenwind?

Halten wir es lieber mit einer Weisheit Aristoteles:

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

Sehen wir jede schwierige Situation als eine Chance zu lernen, als eine konkrete Möglichkeit, unser Leben in eine andere Richtung zu lenken. Ich bin davon überzeugt, dass wir das Recht haben, in diesem Leben glücklich zu sein. Ich bin aber auch zutiefst davon überzeugt, dass wir anhaltendes Glück nicht finden, solange wir uns nicht unserem eigenen Lebensweg ergeben, ihn in Gleichmut annehmen, egal wohin er uns führt. Folgen wir ihm hingegen und betrachten ihn nicht länger als unangenehm, unerwünscht, unglücklichmachend, so werden wir darin unsere Lebensfreude und unsere Erfüllung finden – unsere innere Zufriedenheit.

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Hiob – Gottes Prüfungen?

Neulich habe ich einem Gespräch über Hiob* zugehört. Es ging dabei um die Prüfungen, die Gott uns angeblich auferlegt und wie wichtig es sei, ihm dafür nicht zu zürnen und alles zu akzeptieren; dafür werde man am Ende belohnt.
Für alle, welche die alte Geschichte nicht kennen: Der wohlhabende und rechtschaffene Hiob wird von Gott auf Wunsch Satans geprüft, weil dieser behauptet, die Menschen seien nur fromm, solange es ihnen gut gehe. Gott nimmt Hiob seinen ganzen Besitz, auch seine zehn Kinder und seine Gesundheit, ohne dass Hiob Gott böse ist. Und am Ende wird er von Gott belohnt, bekommt alles doppelt wieder, auch zehn neue Kinder.

Einverstanden bin ich in dem Punkt, man solle dem Göttlichen – oder dem Schicksal, dem Leben, den Höheren Mächten oder wie man diese Instanz nennen will – nicht zürnen. Hauptsächlich schaden wir damit uns selbst, wenn wir uns grämen und verbittert sind. Und wir verpassen dabei die Chancen, die jede Krise uns bietet, die Chancen zu lernen, innerlich zu wachsen und stärker und weiser daraus hervorzugehen.

Nicht einverstanden bin ich jedoch mit der generellen Vorstellung, das Göttliche wolle uns prüfen, und schon gar nicht aus dem Grund, um bösen Mächten irgend etwas zu beweisen.
Auch das Konzept von Strafe und Belohnung durch Gott, das in der Bibel so oft vorkommt, halte ich für eine menschliche Idee von Gerechtigkeit – wollen wir uns wirklich anmassen, den göttlichen Plan auf eine menschliche Ebene zu reduzieren, bloss weil unser beschränkter Verstand sich nichts anderes vorstellen kann?

Nach dem Karma-Gesetz wäre alles, was uns zufällt, die Wirkung vergangener Ursachen, also das Ergebnis früherer Taten: Gutes bringt Gutes, Böses bringt Böses. Doch auch diese starre Gesetzmässigkeit scheint mir wiederum nur ein Erklärungsmodell für scheinbar Unerklärliches: Wo bliebe denn die Gnade und Barmherzigkeit des Göttlichen?
Vielmehr glaube ich, und folge hierin Sri Aurobindos Weisheit, dass der Sinn unseres Lebens die innere Entwicklung zum Göttlichen hin ist. Deshalb wird uns alles gegeben, was diese Entwicklung fördert – manchmal sogenannt Angenehmes, manchmal sogenannt Unangenehmes –, und es wird uns alles genommen, was diese Entwicklung hemmt – manchmal sogenannt Unangenehmes, manchmal sogenannt Angenehmes.
Prüfungen, wollen wir sie denn so bezeichnen, kommen dann auf uns zu, wenn wir aus einer Erfahrung etwas gelernt haben, in der Theorie, und es dann in der Praxis umsetzen sollen – gewissermassen um zu beweisen, dass wir es nicht nur verstanden haben, sondern die neue Erkenntnis auch leben.
Ein Beispiel: Um befördert zu werden, schaltete X einen um die gleiche Stelle konkurrierenden Kollegen aus, indem er ihm mehrmals für die Erledigung seiner Arbeit wichtige Informationen bewusst vorenthielt, sodass der Kollege schwerwiegende Fehler beging. X wurde befördert. Einige Monate später erfolgten interne Umstrukturierungen und die Abteilung von X wurde aufgehoben, er selbst entlassen. Der vermeintliche Erfolg stellte sich als Boomerang heraus; X gewann daraus die Erkenntnis, dass er sich im Wettkampf um die Beförderung unfair verhalten hatte, und versprach sich selbst, nie wieder so zu handeln.
Bei seinem neuen Arbeitgeber geht es nun wieder um eine Beförderung und wieder ist ein Kollege sein Konkurrent. X wäre auf die besser bezahlte Position dringend angewiesen, denn durch die vorangehende Arbeitslosigkeit steckt er in einer finanziell schwierigen Lage. Die Versuchung, mit unfairen Mitteln um die Beförderung zu kämpfen, ist also gross – diese Situation kann man als Prüfung verstehen, ob X seine frühere Erkenntnis nun in die Tat umsetzt. Tut er es und bleibt tatsächlich fair, so hat er die Lektion gelernt. Versucht er hingegen nochmals durch Betrug voranzukommen, so werden die Konsequenzen – kurz- oder langfristig – ihm eine neue Lektion erteilen… so lange, bis er daraus lernt. Wenn nicht in diesem, dann in einem nächsten Leben.

Unser ganzes Leben ist eine Schule, allerdings ohne Bewertung und Noten. Doch den Stoff sollten wir schon lernen, um voranzukommen, sonst bleiben wir sitzen und müssen eine Klasse wiederholen. Betrachten wir jedoch nichts als Strafe. Es sind immer nur Hinweise des Göttlichen, dass wir uns gerade auf einem Irrweg befinden, bemühen wir uns also, auf den rechten Weg zurückzukehren.

* Altes Testament, Buch Hiob.

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Regeln eines Zen-Meisters

Immer wieder stelle ich fest, wie viele Ähnlichkeiten im Kern der verschiedenen mystischen Richtungen von Religionen und Philosophien bestehen. Deshalb gebe ich heute einige Empfehlungen eines Zen-Meisters* an seine Schüler wieder, die ebenso gut aus dem Karma Yoga stammen könnten.

• In der Welt zu leben, ohne Anhaftung an den Staub der Welt, ist der Weg eines wahren Zen-Schülers.
• Wenn du jemanden bei einer guten Tat siehst, ermutige dich selbst, seinem Beispiel zu folgen. Hörst du von einem Fehler eines anderen, so ermahne dich, ihn nicht nachzuahmen.
• Die Armut ist dein Schatz. Tausche ihn nie gegen ein bequemes Leben ein.
• Die Tugenden sind die Früchte der Selbstdisziplin und fallen nicht von selbst vom Himmel wie Regen oder Schnee.
• Ein edles Herz zwingt sich anderen nie auf. Seine Worte sind seltene Edelsteine, kaum je zur Schau gestellt und von grossem Wert.
• Dem aufrichtigen Schüler ist jeder Tag ein glücklicher Tag. Die Zeit vergeht, aber er bleibt nie zurück. Weder Ruhm noch Schande berühren ihn.
• Lebe sinnvoll und überlasse die Ergebnisse dem grossen Gesetz des Universums. Verbringe jeden Tag in friedlicher Kontemplation.

* Zangetsu war ein chinesicher Zen-Meister aus der Zeit der Tang-Dynastie (zumindest steht diese Aussage auf einigen wenigen Websites – sehr bekannt war er wohl nicht, da man im Internet kaum etwas über ihn findet; dennoch finde ich seine Regeln interessant und lehrreich)

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Der sonnige Lebensweg

Talmulde mit SchneeDu bist unterwegs auf einem be­reichernden, spannenden Weg durchs Leben. Es gibt die Schattenseite, gewiss, aber es gibt auch einen sonnigen Pfad!

Selbst wenn derzeit Schwierig­keiten, Hindernisse, Herausforderungen dich noch belasten – sieh dort drüben, dort ist dein eigener son­nen­beschienener Weg, unberührt, und er wartet nur auf deine Schritte!

Du wirst ihn erreichen, gib niemals auf, dann wird dein Leben leicht und voller Freude. Das ist das göttliche Versprechen an alle Men­schen­­: Jeder, der es ehrlich will und sich bemüht, wird zum Ziel ge­lan­gen.

Verzweifle nicht, denke nicht: „Ich fühle mich schlecht, schwach, am Ende meiner Kräfte, ich schaffe es nicht mehr, ich werde es nie schaffen…“ Geh aufrecht durch alle Schatten, was hast du schon zu verlieren? Deine Ängste wirst du verlieren! Deine Abhängigkeit wirst du ver­lieren! Und das Vertrauen in dich selbst wirst du finden, die Zuversicht in die göttliche Vorsehung.

Sieh, auf dem sonnenbeschienenen Pfad wartet ein neues Leben auf dich. Wandere weiter, mutig, zuversichtlich, du kannst nicht verlieren, nur gewinnen.

(Aus meinem Buch: Der Sinn des Lebens und die Lebensschule)

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Der Beweis für die Wiedergeburt

Amaryllis Oder: Die Auferstehungsgeschichte – passend zur Osterzeit
(für einmal ein nicht ganz ernst zu nehmender Text)

Meine Mutter (Frieden ihrer Seele) bekam vor etwa 15 Jahren eine Amaryllis geschenkt. Als sie verblüht war, sagte ihr eine Freundin, sie solle sie den Sommer über einfach an einen schattigen Platz im Freien stellen und sich bis zum Herbst nicht mehr darum kümmern, sie dann in einen hellen, aber kühlen Raum bringen und dort lassen, bis sich der Stängel zeigt – dann dürfe sie zum Blühen in die warme Wohnung.
Meiner Mutter, die nicht über einen kühlen Raum verfügte, war das zu kompliziert und sie hätte die Pflanze weggeworfen; da ich kein Lebenwesen einfach „entsorgen“ kann, habe ich die Amaryllis zu mir genommen und bin mit ihr seither genau so verfahren wie angegeben.
Jahr für Jahr hat sie mir im Frühjahr eine wunderschöne Blume geschenkt!

Vor ein paar Jahren kaufte sich mein Freund ebenfalls eine Amaryllis für seine Wohnung. Er nannte sie Marillina. Nachdem sie verblüht war, ging er offenbar nicht richtig mit ihr um, denn sie überlebte den nächsten Winter nicht.
Als ich meine eigene Amaryllis, die ich inzwischen Marillino getauft hatte, im Frühjahr aus dem Wintergarten holen wollte, stellte ich erstaunt fest, dass sie nicht mehr allein war: Neben der grossen Knolle war eine zweite, kleinere, aus der zaghaft zwei grüne Blätter sprossen! Und schon bald schaute auch ein Blütenstängel heraus. So ist also Marillina bei mir wiedergeboren und endlich mit Marillino vereint.

Se non è vero, è ben trovato, wie man Italien sagt: Wenn es nicht wahr ist, so ist es gut erfunden 🙂

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Schönreden und Ehrlichkeit gegenüber sich selbst

Euphemismen* kennen wir vor allem aus Politik und Wirtschaft; sie werden verwendet, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Man spricht beispielsweise von „Kollateralschaden“ eines kriegerischen Angriffs – und meint zivile Opfer. Oder, noch schlimmer, von „ethnischer Säuberung“ für Völkermord. Man sagt „Minuswachstum“ für Rezession oder „negativer Gewinnbeitrag“ für Verlust und „Nachrichtendienst“ für Spionage.
Aber auch im alltäglichen Leben gehören solche Beschönigungen zum normalen Sprachgebrauch: einschlafen statt sterben, beleibt statt dick, Allerwertester für Po. Die meisten Euphemismen sind schon lange so gängig, dass wir uns der Rosafärbung gar nicht mehr bewusst sind.

Neulich sagte mir ein Bekannter, dessen dritte Ehe gerade in die Brüche gegangen war, er sei wohl „beziehungsunfähig“. Ich bezweifle es allerdings, ich betrachte dieses psychologische Modewort in seinem Fall als Euphemismus. In meinen Augen ist er schlicht zu egoistisch: Er hat immer sein eigenes Süppchen gekocht (um einen weiteren Euphemismus zu verwenden). Seine vielen Hobbies, neben dem anspruchsvollen Beruf, liessen ihm kaum je Zeit, sich tiefer auf seine Frauen einzulassen, geschweige denn die Partnerbeziehung zu pflegen. Ich habe ihn vorsichtig darauf angesprochen, doch er hat abwehrend reagiert.

Wie gerne reden wir uns doch unsere eigenen Unzulänglichkeiten schön! In meinen Büchern und Schriften weise ich immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, ehrlich zu uns selbst zu sein, wollen wir uns ändern, innerlich wachsen, bessere – und damit glücklichere – Menschen werden.
Wir müssen achtsam sein, uns objektiv anschauen, so objektiv als beträfe es einen anderen Menschen. Dabei jedoch unbedingt vermeiden, uns für unsere Unzulänglichkeiten zu verurteilen, uns für Versager zu halten, an uns zu zweifeln und uns selbst dafür zu bestrafen. Und es darf keinesfalls unser Selbstwertgefühl tangieren: Egal wie wir sind, egal was wir tun, wir sind immer wertvoll als menschliche Wesen, als göttliche Seelen. Aber wir sind nicht vollkommen, das dürfen wir uns eingestehen – und daran arbeiten, es irgendwann zu sein, das ist unsere Aufgabe in der Lebensschule.

* aus dem Griechischen: eu = schön, phemein = reden, sagen

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