Karma-Yoga: der sonnige Weg durch das Leben
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  • Der Fluss des Lebens

    8. April 2012

    Gestern traf ich in der vorösterlich elendlangen Schlange vor der Kasse des Supermarkts eine alte Bekannte, die vor einigen Jahren ihren Mann verloren hat. Sie erzählte mir, wie sehr sie ihn immer noch vermisst, gerade an solchen Festtagen.
    Auf meine Frage, ob sie keinen neuen Partner habe, antwortete sie: “Das will ich nicht, das kommt für mich nicht in Frage, niemals. Dafür respektiere ich meinen verstorbenen Mann zu sehr.”

    In diesem Moment war ich an der Kasse an der Reihe und wir konnten das Gespräch nicht sofort fortführen. So hatte ich Zeit, meinen Gedanken nachzugehen.
    Mein erster war: Hm, hat das wirklich mit Respekt zu tun? Ein Lebensabschnitt ist mit dem Tod des Partners zu Ende gegangen, ein neuer folgt, das ist der Fluss des Lebens. Dürfen wir uns an Vergangenem festklammern?

    Dann fiel mir ein, dass sie etwa 40 Jahre lang mit ihrem Mann zusammen gewesen war und inzwischen auch schon einiges über 60 sein musste. Nach dieser langen gemeinsamen Zeit ist es bestimmt nicht mehr so einfach, das Alte loszulassen. Vielleicht fehlt auch der Glaube, nochmals einem ebenso guten Mann begegnen zu können. Wohl spielt auch die Angst vor einer neuen Beziehung, wenn man ein Leben lang mit dem gleichen Partner zusammen gewesen ist.

    Dennoch konnte und kann ich in dieser Treue über den Tod hinaus nichts abgewinnen. Allerdings respektiere ich selbstverständlich ihre Entscheidung und ihren Weg. Zweifellos spricht und handelt sie so, wie sie es in sich spürt. Das ist auf jeden Fall gut und richtig.

    Und ich habe mehr als einmal am eigenen Leib erfahren, dass solche Grundsätze und “Prognosen” für die eigene Zukunft von einer Minute auf die andere ins Gegenteil gekehrt werden können, wenn das Göttliche etwas anderes mit einem vorhat. :mrgreen:

    Wichtig ist, dass wir in solchen Momenten, in denen das Göttliche uns mehr oder minder sanft in eine andere Richtung lenken will, nicht versuchen, gegen den Strom zu schwimmen, unsere festgefahrenen Überzeugungen und Dogmen loslassen, dem Fluss des Lebens folgen und uns von unserem Urvertrauen tragen lassen.

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    Ein Tag pro Woche, eine Woche pro Monat, ein Monat pro Jahr

    14. Februar 2012

    Hier eine ganz kurze, aber wirksame Anleitung, wie man Verhaltensweisen ändern kann. Damit meine ich nicht, das Rauchen aufgeben oder regelmässig joggen – obwohl diese Methode natürlich auch dafür funktioniert.

    Ich denke vielmehr an Verhaltensweisen wie: nicht aufrichtig sein (also lügen oder Ausreden bemühen), beispielsweise aus Angst vor Konflikten oder jemanden zu verletzen; Perfektionismus, aus Angst den Ansprüchen anderer nicht zu genügen; die eigenen Bedürfnisse missachten und nicht Nein sagen können, um die Liebe und Anerkennung von Mitmenschen nicht zu verlieren; und unzählige weitere Verhaltensweisen, die unserer Seele nicht gut tun.

    Wir bestimmen einen fixen Tag pro Woche, beispielsweise den Mittwoch, an dem wir die betreffende Verhaltensweise einfach weglassen. Und daran halten wir uns, ohne es jeden Mittwoch zu hinterfragen. Wir denken also nicht jedesmal darüber nach, welche Konsequenzen es haben wird, ob wir uns dabei in die Nesseln setzen könnten und und und. Wir haben es so festgelegt und wir tun es.

    Wir bestimmen eine fixe Woche pro Monat, beispielsweise immer die erste Woche des Monats, in der wir… wie oben.

    Und schliesslich bestimmen wir noch einen fixen Monat pro Jahr, beispielsweise den März, in dem wir… wie oben.
    Falls das dann überhaupt noch nötig ist und sich die betreffende Verhaltensweise nicht bereits definitiv geändert hat!

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    Der innere Verhaltenskodex

    28. November 2011

    Gesetze sind schriftlich festgehalten, Verbote werden öffentlich bekannt gemacht, auch ethische und moralische Konventionen gehören zum Allgemeinwissen in unserem sozialen Umfeld – unbekannt sind uns hingegen viele Vorschriften, die wir in unserem Unbewussten aufbewahren und die von hier unser Denken und Handeln steuern. Gerade weil sie uns nicht bewusst sind, können wir sie nicht hinterfragen und nicht frei entscheiden, ob wir sie (noch) als sinnvoll erachten und sie befolgen wollen.
    Dieser innere Verhaltenskodex ist weitaus mächtiger als alle äusseren Gebote und Verbote. Aus den folgenden Gründen ist es so wichtig, ihn ins Bewusstsein zu holen und kritisch zu durchleuchten:
    • Wir haben ihn nicht freiwillig gewählt, sondern er wurde in uns „eingepflanzt“, und er enthält alle Vorschriften, die wir je befolgen mussten, um uns vermeintlich angenommen und geliebt zu fühlen („Das darfst du nicht tun“, „Das musst du machen“) – wovon manche nie nützlich waren, andere längst überholt sind.
    • Er bestimmt unser Wertesystem, was wir für schön oder hässlich halten, für gut oder böse, für erstrebens- oder ablehnenswürdig und vieles mehr, vor allem auch die Bewertungsskala für uns selbst, zudem alle Urteile, die je ein Mensch über uns gesprochen hat („Das verstehst du nicht“, „Du bist zu dick“, „Du kannst nicht zeichnen“) – sie prägen unsere Einstellungen und Verhaltensweisen und diese gehören möglicherweise nicht zu unserem wahren Wesen.
    • Er ist verantwortlich für viele unserer Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, Versagensängste und für andere negative Empfindungen, denn wir können unmöglich alle diese hohen unbewussten Standards erfüllen, und dafür, dass wir uns oft selbst bestrafen für unsere vermeintliche Unzulänglichkeit.
    • Durch dieses innere Glaubenssystem sehen wir nicht die Wirklichkeit unseres Selbst und der Welt ausserhalb von uns, sondern ein von und in unserem Unbewussten konstruiertes Bild – wir sind gewissermassen blind für alles, was nicht mit diesem Bild übereinstimmt, und übersehen dadurch wichtige Entwicklungsmöglichkeiten und -schritte.

    Wollen wir wirklich wir selbst sein – selbstbestimmt, selbstverantwortlich, selbstbewusst –, müssen wir uns diesen inneren Kodex vor unser geistiges Auge holen, ihn anschauen und dann konsequent daran arbeiten, unser unfreiwillig geprägtes Denken und Handeln zu verändern.

    (Dieser Text stammt aus Sonnwandeln Nr. 21)

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    Der Sinn des Lebens

    13. Oktober 2011

    Eine der Fragen, die jeden Menschen früher oder später beschäftigen, ist diejenige nach dem Sinn des Lebens, dem allgemeinen und dem individuellen: Warum gibt es die Erde und das Universum? Was mache ich in dieser Welt? Was ist der Sinn meiner Existenz? Hat das Ganze überhaupt einen Sinn? Die Ausrichtung unseres Daseins, die Planung un­serer Zukunft, auch die Strategien, mit denen wir unser Glück verfolgen, hängen nicht unwesentlich damit zusammen, welche Antwort auf die Sinnfrage wir für uns selbst finden.
    Glauben wir an einen Gott oder an eine höhere Macht in irgendeiner Form, so führt das meis­­tens auch zur Überzeugung, dass die Welt mitsamt dem menschlichen Sein einen Sinn hat, haben muss. Die Vorstellung, dass alles aus Zufall und Chaos entstanden sein könnte und „keiner da ist, der nach dem Rechten schaut“, ist vielen Menschen unerträglich.

    Betrachten wir das Universum seit der Entstehung bis heute, stellen wir fest, dass sich die Einheit zur Vielheit entfaltet hat. Beim Urknall, so lehrt uns die Wissenschaft, be­gann ein „Etwas“, das alles extrem dicht komprimiert in sich vereinte, zu expandieren, und es entstanden Galaxien mit Sternen und Planeten. Auf der vorerst unbelebten Erde erschienen später die lebenden Or­ga­nismen, Einzeller. Sie schlossen sich zu Gruppen zu­sammen, spezialisierten sich, bildeten Pflanzen und Tiere, die sich von einfachen zu immer komplexeren Systemen wandelten.
    Neben dieser Ausformung von der Einheit zur Vielheit er­ken­nen wir zudem, dass die Natur alles Erdenkliche zu verwirklichen versucht. Schauen wir nur den Artenreichtum an, die oft bizarren Wesen – und stellen wir uns im Gegenzug eine Welt vor, auf der es ausschliesslich Berge aus Granit, braune Erde, Klee, Tannen und Raben gäbe! Es geht in der Schöpfung offenbar nicht um Gleichförmigkeit, Eintönigkeit, sondern um die verschiedenartigsten Farben, Formen, Ma­te­rialien, Laute, Düfte…
    Der Sinn des Lebens scheint auf der materiellen Ebene also in der Evolution und Differenzierung zu liegen, in einem nicht endenden Prozess.
    Es lässt sich wohl nicht vorhersagen, wie sich unsere Spezies körperlich verändern wird. Doch erweitern wir unseren Blickwinkel von der physischen Evolution auf den Geist, so sehen wir auch hier, vom Einzeller bis zum Menschen, eine fortlaufende Verfeinerung und Individualisierung auf der Bewusstseinsebene. Das lässt sich schliesslich auch innerhalb der Gattung Homo über die letzten paar Millionen Jahre beobachten und noch deutlicher beim Homo sapiens, dem mo­dernen Menschen, in den vergangenen 160000 Jahren.
    Darin sehen die mystischen Richtungen der Religionen den Lebenssinn und die Lebensaufgabe des Menschen: durch die Entwicklung eines höheren Bewusstseins das Göttliche zu er­kennen, zu verwirklichen und die Einheit mit ihm zu er­lan­gen.
    Dieser Prozess ist nicht wie bei der Evolution der Arten ein kollektiver, sondern ein individueller. Im Gegensatz zu den Pflanzen und vermutlich den meisten (vielleicht gar allen) Tieren, de­ren Verhalten durch Instinkte gesteuert und deren Evolution zwangsläufig durch die Natur vollzogen wird, besitzen wir Menschen nämlich die Voraussetzungen, unsere Handlungsweise mehr oder min­der frei zu bestimmen, und damit die Chance, uns bewusst und freiwillig zu vervollkommnen, um so den Sinn des Lebens zu erfüllen.
    Warum aber sollten wir das tun? Was vermag uns anzutreiben? Bekanntlich ist jede Veränderung mit Mühe verbunden, nicht selten mit Angst, Ungewissheit, Herausforderungen, Schmerz und Leid… Unter welchen Bedingungen sind wir denn bereit, solches auf uns zu nehmen? Wohl dann wenn wir glauben, dadurch ein verführerisches Ziel zu erreichen. Und welches Ziel wäre für uns verlockender als anhaltendes Glück? Das ist es nämlich, was wir suchen, alles übri­ge, Geld, Macht, Liebe, Gesundheit und was wir uns sonst noch wünschen, ist nur Mittel zum Zweck. Aber warum finden wir diese immer währende Zufriedenheit nicht? Wa­rum besteht das Leben aus einem Auf und Ab, aus Freu­de und Leid? Warum trübt immer wieder etwas unser Glück?
    Vielleicht, weil wir den richtigen Weg noch nicht erkannt, nicht entdeckt haben. Könnte der Preis dafür nicht in der Entwicklung eines neuen Bewusstseins liegen? Oder an­ders ausgedrückt: Gibt es eine Bewusstseinsstufe, auf welcher wir ausschliesslich zufrieden sind? Der Karma Yoga weist einen Weg.
    (Dieser Text stammt weitgehend aus meinem Buch “Karma Yoga – Auf dem sonnigen Weg durch das Leben”)

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    Alles geschieht mindestens zwei Mal

    30. August 2011

    Vielen von uns ist bewusst, dass wie immer wieder in ähnliche leidvolle Situationen geraten, wenn wir nicht daraus gelernt haben und unser Verhalten ändern. So kann man manchmal beobachten, wie jemand sich aus einer Beziehung löst – und sich prompt wieder mit einem ähnlichen Partner zusammentut und auf ähnliche Probleme wie vorher stösst. Das Gleiche gilt für Situationen aus dem beruflichen Umfeld: Wir verlassen einen Arbeitsplatz aus bestimmten Gründen, suchen uns eine neue Stelle – und treffen wieder auf gleiche oder ähnliche Umstände, die uns nicht gefallen.

    Nun ist aber die Schlussfolgerung, dass uns wieder das Gleiche passiert, weil wir offenbar nichts oder nicht genügend aus der vorangehenden Situation gelernt haben, nicht in jedem Fall zutreffend.
    Das Leben funktioniert wie eine Schule, denn der Sinn ist ja unsere innere Entwicklung; wir werden ständig mit “Lernstoff” konfrontiert und sollen etwas lernen. Wir geraten also in eine schwierige Situation und gehen irgendwie damit um, wir verhalten uns so, wie wir es als gut empfinden. Daraufhin gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie es weiter geht:

    1) Haben wir “richtig” gehandelt, ist die “Lektion” damit beendet, wir geraten nicht wieder in die gleiche Situation – oder doch? Warum eigentlich nicht – wenn wir doch fähig sind, damit umzugehen, ist sie für uns nicht mehr schwierig und es wird uns gar nicht besonders auffallen, wenn wir uns, aus welchen höheren Gründen auch immer, wieder einmal in einer gleichen oder ähnlichen Lage befinden.

    2) Haben wir “falsch” gehandelt (wobei es in Wirklichkeit keine “Fehler” gibt, sondern nur Erfahrungen!), ergeben sich zwei Möglichkeiten:
    • Wir erkennen unseren “Fehler” nicht, lernen also nicht daraus: Wir werden wieder in die gleiche oder ähnliche Lage kommen – niemals als Strafe zu verstehen, sondern nur als neue Chance zu lernen.
    • Wir erkennen unseren “Fehler”, ziehen Erkenntnisse daraus, nehmen uns vor, es das nächste Mal anders und besser zu machen: Wir haben gelernt, in diese Situation müssten wir also nie wieder kommen. Oder doch? Eine theoretische Erkenntnis bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass wir sie dann in der Praxis tatsächlich umsetzen können. Deshalb werden wir irgendwann wieder in eine ähnliche Situation geraten: Wir werden auch in der Lebensschule, wie in jeder Schule, geprüft. Bestehen wir die Prüfung, so befinden wir uns an dem Punkt wie unter 1) beschrieben. Bestehen wir die Prüfung nicht, wird uns der “Lernstoff” im Sinn einer neuen Chance wieder begegnen und wieder geprüft werden. Bis wir ihn wirklich gelernt haben.

    Nun sollen wir uns keinesfalls vor diesen Herausforderungen und Prüfungen fürchten. Wir bekommen jede Hilfe, die wir brauchen, wir werden stets liebevoll geführt und wir dürfen darauf vertrauen – wie es so schön im Koran steht –, dass keiner Seele mehr auferlegt wird, als sie zu tragen vermag.

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    Die Prüfung des Zorns

    25. Juli 2011

    Eine indische Geschichte

    Es lebte einst eine vornehme Dame, die bekannt war für ihre Freundlichkeit, Ausgeglichenheit und dafür, dass sie ihre Bediensteten gut behandelte.
    Nun fragte sich eine ihrer Zofen einmal, ob ihre Herrin tatsächlich in jeder Situation ihrem Ruf gerecht würde. „Schliesslich tun wir alle pflichtbewusst unsere Arbeit und geben ihr keinen Anlass, sich über uns zu ärgern“, dachte sie und beschloss die Herrin zu prüfen.
    Am nächsten Morgen schlief die Zofe etwas länger, sie war nicht zur Stelle, als ihre Herrin sie brauchte. Diese liess sie holen und fragte sie nach dem Grund. Die Dienerin zuckte bloss mit den Schultern und meinte: „Einfach so.“ Die Herrin blickte sie vorwurfsvoll an und liess es dabei bewenden.
    Als die Zofe tags darauf noch später erschien, schimpfte die Herrin mit ihr: „Ich dulde keine Unpünktlichkeit, das darf nicht wieder vorkommen!“
    Am dritten Morgen liess sich die Zofe erst gegen Mittag blicken. Ihre Herrin schalt sie erneut, aber die Dienerin machte eine abweisende Handbewegung und sagte: „Das ist doch nicht so schlimm!“
    Da verlor die Herrin die Beherrschung. Sie griff nach dem erstbesten Gegenstand und schlug damit auf die Zofe ein.

    Die Moral von der Geschicht’:
    Es ist nicht schwer, tugendhaft zu sein, solange man nicht geprüft wird!

    Diese Geschichte stammt aus Sonnwandeln Nr. 7

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    Tun und nicht werten

    20. Juni 2011

    Gestern Morgen habe ich von einer Freundin eine E-Mail bekommen, in der unter anderem der folgende Satz stand:
    “Gleich frühstücke ich und dann muss/will/darf ich (such dir eines aus!) mit meinen Schwiegereltern, die bei uns zu Besuch sind, einen Ausflug machen.”

    In meiner Antwort-Mail habe ich dazu geschrieben:
    “Sag doch einfach: ‘… und dann mache ich mit meinen Schwiegereltern einen Ausflug. Ohne zu werten.”

    Einfach tun, was gerade zu tun ist. Eines der Grundprinzipien des Karma Yoga.
    Ohne Widerwillen, ohne Aufschub, ohne Murren, ohne Unlust.
    Mit Gleichmut eben.

    Wenn wir aufhören, unsere Aufgaben und Pflichten – die ja einen grossen Teil unseres Alltags beanspruchen! – in angenehm und unangenehm, erwünscht und unerwünscht aufzuteilen, und alles mit der gleichen liebevollen Hinwendung tun, wird unser Leben um einiges leichter!

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    … ausser man tut es

    17. Mai 2011

    Zwei neuere Kommentare auf meiner Website Selbstliebe* veranlassen mich, hier etwas ganz Banales einmal deutlich auszusprechen, was ich auch in meinen Kursen wieder und wieder sage.

    Es gibt keinen anderen Weg, uns zu ändern, als es zu tun!

    Wenn jemand klagend fragt: Wie kann ich aufhören, so oft zu lügen? Oder: Wie bringe ich es fertig, jemandem einen Wunsch abzuschlagen? Oder: Wie schaffe ich es, meinem ungerechten Chef einmal die Meinung zu sagen? Oder …
    Was soll man dann antworten, wenn nicht: Tu es einfach!

    Wollen wir aufhören, uns in einer bestimmten Weise zu verhalten, so müssen wir aufhören, uns in dieser bestimmten Weise zu verhalten. Nicht mehr und nicht weniger.
    Es reicht nicht zu wissen, warum wir uns so verhalten und dass wir uns anders verhalten möchten/sollten. Wir müssen es selbst ändern! Niemand kann es für uns tun.
    Eine entsprechende Erkenntnis mag uns dabei helfen, ein aufmunternder Zuspruch uns darin bestärken. Aber tun müssen wir es ganz allein. Und es nützt auch nichts, es aufzuschieben.
    Etwas Mut braucht es dazu. Bringen wir diesen Mut nicht auf, dann müssen wir halt weiterhin unter der bestehenden Situation leiden – bis sie so erdrückend wird, dass wir keinen anderen Ausweg sehen, als etwas daran zu ändern.
    Unser persönlicher Einsatz, unser Wille uns zu ändern und unser aktives Handeln sind unerlässlich, denn Wunder geschehen nur ganz, ganz selten.

    * die beiden Kommentare von Selma und Petra und meine beiden nachfolgenden Antworten dazu

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    Eine Ostergeschichte

    19. April 2011

    Naja, direkt mit Ostern hat sie nicht zu tun, ausser dass darin ein Hase vorkommt – aber schön und lehrreich ist sie!

    Wie der Hase den Löwen besiegte
    Eine Sufi-Geschichte von Rumi

    In einem Wald wohnte ein wilder Löwe; alle anderen Tiere lebten in ständiger Furcht vor ihm. Eines Tages versammelten sie sich, um einen Ausweg zu finden, und schliesslich einigten sie sich auf eine Lösung.
    Eine Gesandtschaft suchte den Löwen auf und sagte ihm: „Jeden Tag frisst du einen von uns; deshalb sind wir alle stets ängstlich und können unserer Futtersuche nicht in Ruhe nachgehen. Oh König der Tiere, wir schlagen dir vor, dass du von nun an auf deinem Thron bleibst, und jeden Tag wird einer von uns zu dir kommen, damit du ihn fressen kannst. So haben wir unsere Ruhe und du brauchst dich nicht mehr abzumühen.“
    Das gefiel dem Löwen und er willigte ein. Von da an wurde jeden Morgen ein Tier ausgelost, das sich zum Löwen begeben und sich von ihm fressen lassen musste.
    Als das Los auf den Hasen fiel, wollte sich dieser nicht damit abfinden. „Es muss einen anderen Weg ge­ben“, meinte er. Doch die übrigen Tiere drängten ihn, denn sie fürchteten, den Löwen zu verärgern. Nur mit viel Mühe gelang es ihnen, den Hasen zum Gehen zu bewegen.
    Als er beim Löwen eintraf, war es schon Nachmittag und der König der Tiere war sehr hungrig und brüllte fürchterlich: „Warum kommst du so spät?“
    Mit gespielter Unterwürfigkeit antwortete der Hase: „Mein Herr, es ist nicht meine Schuld. Ich habe mich frühmorgens auf den Weg zu dir gemacht, aber plötzlich stand ein anderer Löwe vor mir und wollte mich fressen. Ich musste davonrennen und manchen Umweg einschlagen, um ihm zu entkommen.“
    Wutentbrannt schrie der Löwe: „In diesem Wald gibt es nur einen König und das bin ich!“ Mit unschuldiger Miene pries der Hase den anderen Löwen: „Er ist gross und stark, hat eine beeindruckende Mähne und seine Stimme ist wie der Donner!“
    In seiner Ehre verletzt, forderte der Löwe den Hasen auf, ihm den Rivalen zu zeigen. Der Kleine hoppelte los, der König hinterher, bis zum Rand eines Brunnens. „Da un­ten wohnt er“, sagte der Hase, „sieh wie mächtig er ist…“
    Zornig blickte der Löwe in den Brunnen und fauchte sein Spiegelbild an, das ebenso fauchte und sich kein bisschen beeindruckt zeigte. Mit einem wilden Schrei stürzte sich der Löwe in den Brunnen und ertrank.
    Der Hase kehrte unversehrt zu den anderen Tieren zu­rück und erzählte ihnen, wie er den Löwen überlistet hatte, anstatt sich mit seinem Schicksal abzufinden.

    Und die Moral von der Geschicht’? Nie einfach aufgeben, es gibt immer eine Lösung – wenigstens sollten wir eine suchen und alles versuchen!

    Ich wünsche euch allen frohe Ostertage!

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    Frühjahrsputz

    21. März 2011

    Am Wochenende habe ich meine Küche geputzt, gründlich, alle Schränke ausgeräumt und neu eingeräumt, jeden Quadratzentimeter gereinigt… Am Samstag und Sonntag zusammen rund 10 bis 11 Stunden.
    Nicht weil ich ein Putzfanatiker bin. Nicht weil es sich so gehört im Frühjahr. Nicht weil mich jemand dazu aufgefordert hätte oder weil ich befürchtete, vor künftigen Besuchern als schlechte Hausfrau dazustehen.
    Einfach weil es nötig war. Jetzt. Vor einem Jahr war es das nicht, auch noch nicht vor einem halben, aber in den letzten Tagen war mir mehr und mehr aufgefallen, dass die Zeit für eine richtig gründliche Reinigung reif war.
    Getreu der Lehre des Karma Yoga: Tue immer das, was gerade getan werden muss, ohne die eine Tätigkeit der anderen vorzuziehen. (Das gilt auch fürs Putzen, wenn draussen die Sonne scheint!)

    Auf der anderen Seite sagt dieser Grundsatz des Karma Yoga aber auch aus: Du brauchst nichts Unnötiges zu tun, nur weil man es so macht.
    Ich putze nicht jedes Jahr alle Zimmer, sondern nur die Räume, die es nötig haben, und zwar nicht unbedingt im Frühjahr, sondern ebenso in den anderen Jahreszeiten.
    Ich putze nicht jede Woche die ganze Wohnung, weil man einmal pro Woche putzt, sondern dann, wenn ich es als notwendig erachte. Das kann einmal alle drei Tage sein, aber auch einmal erst nach zehn oder vierzehn Tagen wieder.

    Lassen wir uns nicht von Normen, Regeln und Konventionen bestimmen! Wir entscheiden in jedem Augenblick neu über unser Handeln, über unser Leben, so wie wir es gerade spüren und als richtig erachten.

    Und nicht zu vergessen: Seien wir lieb zu uns selbst! Wenn die Wetterprognosen nicht so fantastisch für die ganze kommende Woche gewesen wären, hätte ich am Sonntag den Sonnenschein wohl für eine Wanderung genutzt und das Putzen auf den nächsten Regentag verschoben :mrgreen:

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